Die Röhricht-Brennnessel

 

Im August 2022 unternahm Patrick Will im Rahmen des Unkräuter-Informationskarten Projekts eine erste Forschungsreise. Ziel der Reise war es Bestände der Röhricht-Brennnessel Urtica kioviensis (auch Sumpf-Brennnessel/ Ukraine-Brennnessel) aufzuspüren und zu lokalisieren. Dank eines zuvor beschriebenen Standortes war dies erfolgreich. Exemplare der Röhricht-Brennnessel konnten im Gebiet des Westhavellandes bestimmt und dokumentiert werden. Außerdem wurden reife Samen gesammelt, die es zur Lagerung und zum Erhalt der Art in die Unkräuter-Saatenbank geschafft haben. 

Die Röhricht-Brennnessel ist eine eigenständige Art der Urticaceae-Familie (Brennnesselgewächse). Ihre Verbreitung erstreckt sich ausschließlich von Mitteleuropa (ab Dänemark) bis Osteuropa (Ural) und nur an entlang einiger Flüsse und Gewässer. Sie wächst an Ufern oder Sümpfen in Röhrichtgesellschaften mit anderen Pflanzen. Ihre Merkmale sind ihr stattlicher Wuchs, ihre Einhäusigkeit und ihr besonders hoher Faseranteil. Funde fossiler Samen in einer Ausgrabungsstätte um eine 11.000 Jahre alte menschliche Siedlung in Brandenburg (Friesack) belegen, dass Urtica kioviensis ein einheimisches Unkraut (Apophyt) ist. Zudem kann ihre Verwendung als frühe Gemüsepflanze nicht ausgeschlossen werden. (Quelle)

 

Der Fundort

Der Standort der Röhricht-Brennnessel Population befindet sich 30 km entfernt westlich der mittelsteinzeitlichen Ausgrabungsstätte entfernt. Zwischen dem östlichen Havelufer und dem Ort Gülpe liegen alte Nebenarme der Havel, die eine Sumpf- und Auenlandschaft bilden. Eine dortige Röhrichtgemeinschaft aus Schilfrohr wird durch einen Wassergraben gespeist. Entlang des südlichen Ufers breitet sich die Sumpf-Brennnessel aus. Vom Norden her besetzen Große Brennnesseln den Röhrichtrand. Die Bestimmung und Unterscheidung der beiden Arten voneinander war dank der gut ausgebildeten Blütenstände im August möglich. 

 

Wuchsform und Blüten 

Die Röhricht-Brennnesseln kamen vereinzelt oder in kleinen Gruppen vor. Die Gruppen breiteten sich zum Wiesenrand aus. Ihr Wuchs war durch die mögliche Vieh- und Landwirtschaft noch klein und hatte somit noch keine Blütenstände ausgebildet. Die geschlechtsreifen Exemplare standen vereinzelt im Röhricht-Dickicht und wurden teilweise von Ackerwinden umrankt. Sie waren bis zu 1,60 Meter hoch. Charakteristisch wiesen die Alten beide Geschlechter an einer Pflanze auf. Reife Samen am oberen Teil der weiblichen Blüten waren bereits ausgebildet. Die männlichen Pollenkapseln am unteren Teil der Pflanze waren weitgehend geöffnet oder nicht mehr vorhanden, sodass nur noch leere Rispen vorzufinden waren. 

 

Blätter

Ein weiteres Merkmal zur Identifikation waren die Blätter der Brennnesseln. Anders als bei der Großen Brennnessel waren sie fleischiger, weniger hängend, heller und besaßen glänzende Blattoberseiten. Nur vereinzelt befanden sich stärkere und borstenartige Brennhaare auf der Blattoberseite.